Die konservativ provinziellen Befürworter der Aktion Krippenstadt haben zunehmend ein Argumentationsproblem. Zuerst wurde damit argumentiert, dass sehr viele TouristInnen deshalb nach Linz kommen. „Erfolgsnachweis“: Nächtigungen sind gesunken. Im Vergleich zum Dezember 2005 gingen die Nächtigungen in Linz im Dezember 2007 um 7,81% zurück. Darauf hin wurde die Argumentation geändert. Die TagestouristInnen würden die Stadt Linz stürmen. „Erfolgsnachweis“: Kann nicht erbracht werden.
Erfolgsnachweise gibt es nicht. Was nachgewiesen werden kann: € 84.000,– wurden von der Stadträtin Wegscheider für die Krippenstadt ausgegeben. Touristischer Effekt ist grenzwertig.
„Erfolgsnachweis TagestouristInnen geht ebenfalls in die Hose – Evaluierungshumor aber gesichert
Da das Minus bei den Nächtigungen im Dezember 2007 eindeutig war, wechselten die konservativen KrippenstadtbefürworterInnen ihre Argumentationslinie. Tourismusobmann Grubauer erklärte in den Medien, dass die TagestouristInnen die Stadt im Dezember 2007 gestürmt hätten. Ich ersuchte Stadträtin Wegscheider und den Tourismusdirektor Steiner am 22.1.2008 folgende Fragen zu beantworten:
1) Wie viele Tagesgäste kamen wegen der Aktion Krippenstadt im Dezember 2007 nach Linz und aus welchen Regionen sind diese gekommen?
2) Wie lauten diese Zahlen für Dezember 2005 und 2006?
3) Aufgrund welcher Datenbasis und mit welchen empirischen Methoden sind sie zu den obigen Ergebnissen gekommen?
Vorerst wurde von beiden Persönlichkeiten nicht geantwortet. Am 8.2.2008 ersuchte ich Stadträtin Wegscheider und den Tourismusdirektor Steiner erneut seine Fragen zu beantworten. Stadträtin Wegscheider zeigte bis zum heutigen Tag noch immer keine Reaktion.
Tourismusdirektor Steiner antwortete dankenswerter Weise am 11.2.2008, konnte aber keine empirischen Belege für die Aussagen seines Tourismusobmanns liefern:
„Ich kann Ihnen leider mit keinen empirischen Erhebungen dienen, empfehle Ihnen aber, auch bei der Wirtschaftskammer, oder dem City Ring nachzufragen, um dazu Einschätzungen zu bekommen.“
Schon erheiternd ist, wie die Tourismusverantwortlichen in dieser Stadt Evaluation betreiben:
“Insofern können Aussagen zu Frequenzen der Tagesgäste nur über verschiedene Parameter abgeleitet werden. Dazu gehören Einschätzungen der Fieranten auf den Weihnachtsmärkten ebenso wie Rückmeldungen von Geschäftsleuten oder Fahrgäste der Donauschifffahrt.“
Feststeht, dass auch die zweite Argumentationslinie der KrippenstadtbefürworterInnen gescheitert ist. Es werden € 84.000,– Steuergelder ausgegeben. Empirisch fundierte Methoden der Evaluierung gibt es nicht oder sie zeigen negative Ergebnisse. Zumindest beweist man bei der Evaluierung Humor.
Bereits Nächtigungszahlen bewiesen – Krippenstadt hat keine Wirkung
Die Nächtigungsziffern und die Ankünfte von Touristen zeigen ein eindeutiges Bild. Die Krippenstadt und ihre Ausweitung im Jahr 2007 haben keine positiven touristischen Effekte. Gegenüber 2005 sanken die Nächtigungen um knapp 8%, die Ankünfte stagnierten. Auch gegenüber 2006 zeigt sich die Wirkungsschwäche der Aktion Krippenstadt: Nächtigungen und Ankünfte stagnieren.
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Okt 06
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Nov 06
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Dez 06
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| Nächtigungen |
58.145
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51.729
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42.808
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| Ankünfte |
29.553
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29.222
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24.558
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Okt 07
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Nov 07
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Dez 07
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| Nächtigungen |
61.549
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53.174
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42.946
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| Ankünfte |
34.138
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29.106
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24.895
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| Nächtigungen |
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| 2005/2007 |
108,93%
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105,01%
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92,19%
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| 2006/2007 |
114,35%
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108,73%
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100,33%
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| Ankünfte |
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| 2005/2007 |
105,85%
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102,79%
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100,32%
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| 2006/2007 |
115,51%
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99,60%
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101,37%
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Konservative Provinzialität verschleiert den Blick auf die WirklichkeitSo vollmundig haben sich die konservativen Befürworter der Aktion Krippenstadt geäußert (Linzer Rundschau 5.12.2007):
Vizebürgermeister Watzl: „Das Projekt Krippenstadt ist eine echte Erfolgsgeschichte.“
Stadträtin Wegscheider: Die Aktion Krippenstadt vermittelt „ zu Weihnachten auch Wärme und Emotionalität“.
Tourismusverbandsobmann Grubauer: „ Je mehr Leute nach Linz kommen, desto heller klingen die Kassen.“
Die obigen Zahlen beweisen eindeutig:
• Die Krippenstadt ist keine Erfolgsgeschichte.
• Das Argument der Wärme und der Emotionalität von Schaufensterkrippen ist schwer nachvollziehbar.
• Es kommen nicht mehr Leute nach Linz. Die Kassen klingeln wegen der Krippenstadt nicht.
Ob Vizebürgermeister, Stadträtin oder Tourismus-Guru. Es zeigt sich wieder: Irren ist menschlich.
Ich erwarte mir von Stadträtin Wegscheider und den Tourismusverantwortlichen Vizebürgermeister Watzl und Tourismusobmann Grubauer, dass sie professioneller bei der Planung und der Evaluierung von Aktionen vorgehen und damit Steuergelder effizienter einsetzen. Ihr konservativ provinzielles Bewusstsein sollen sie privat und nicht durch Verschwendung von Steuergeldern befriedigen. Der Tourismus ist kein Privatverein von ÖVP - FunktionärInnen.